Warum Führungsfrauen erschöpft sind,
obwohl sie „nichts falsch machen"
Von Katja Kaiser
Du kommst pünktlich. Du lieferst. Du bist für dein Team da, für deine Vorgesetzten, für die Ziele des Unternehmens. Du schläfst zu wenig, aber du funktionierst. Meistens.
Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – wirst du nicht besser. Sondern leerer.
Du fragst dich, ob du einfach nicht belastbar genug bist. Ob die anderen das irgendwie besser hinkriegen. Ob mit dir etwas nicht stimmt.
Ich sage dir: Es stimmt alles mit dir. Das System, in dem du arbeitest – das stimmt oft nicht.
Die stille Erschöpfung, die niemand sieht
Es gibt eine bestimmte Art von Erschöpfung, die besonders tückisch ist: die, bei der man von außen noch völlig funktioniert.
Kein offensichtlicher Zusammenbruch. Kein Krankenstand. Keine sichtbare Krise. Nur dieses anhaltende Gefühl, dass du immer mehr gibst und immer weniger zurückbekommst. Dass du abends nicht weißt, wer du bist, wenn du nicht gerade für jemanden funktionierst.
Das nennt sich stille Erschöpfung – und sie ist unter Führungsfrauen verbreitet. Viel verbreiteter, als du vielleicht denkst.
Das Richtigmachen, das uns erschöpft
Hier ist die Ironie: Die Dinge, die du „richtig machst", sind oft genau die, die dich auslaugen.
Du bist verlässlich. Immer. Auch wenn du eigentlich keine Kapazität mehr hast.
Du übernimmst Verantwortung. Auch für Dinge, die nicht in deinem Verantwortungsbereich liegen.
Du hältst die Stimmung hoch. Du regulierst die Emotionen anderer, bevor du deine eigenen wahrnimmst.
Du fragst nicht um Hilfe. Weil Führung für dich bedeutet, stark zu sein. Weil du weißt, dass andere auf dich schauen.
All das sind Qualitäten. Echte Stärken. Aber sie haben einen Preis – wenn sie nie ausgeschaltet werden dürfen.
Was das mit dem Nervensystem zu tun hat
Führung ist körperlich. Das wird gerne vergessen.
Wenn du permanent in Verantwortung bist, permanent abrufbereit, permanent zwischen den Bedürfnissen anderer und den Zielen der Organisation vermittelst – dann ist dein Nervensystem permanent aktiviert. Dauerhaft im Bereitschaftsmodus.
Und ein Nervensystem, das nicht mehr runterregulieren kann, erschöpft sich. Punkt. Nicht weil du schwach bist. Sondern weil das Biologie ist.
Der Körper kann das eine Weile kompensieren. Mit Kaffee, mit Willenskraft, mit dem nächsten Urlaub als Versprechen am Horizont. Aber irgendwann kann er nicht mehr.
Was wirklich hilft – und was nicht
Nicht hilfreich: noch ein Produktivitätssystem. Noch eine App. Noch ein Wochenende, das du mit Arbeit füllst, um endlich den Rückstand aufzuholen.
Was hilft: zu verstehen, was in dir passiert. Zu lernen, was dein Körper dir signalisiert – bevor es zu laut wird. Und anfangen, Grenzen nicht als Versagen zu begreifen, sondern als Bedingung dafür, dass du langfristig wirksam bleibst.
Das klingt einfach. Es ist es nicht. Denn viele von uns haben gelernt, dass Leistung Liebe bedeutet. Dass Erschöpfung Schwäche ist. Dass man sich Pause verdienen muss.
Diese Überzeugungen sitzen tief. Und sie brauchen Raum, um sich zu verändern.
Ein Gedanke für dich
Du kannst keine gute Führungskraft sein, wenn du leer bist. Nicht nachhaltig. Nicht in einer Art, die auch dir gut tut.
Was, wenn Selbstfürsorge keine Schwäche ist – sondern die Voraussetzung dafür, das zu leisten, was du leisten willst?
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst und das Gefühl hast, dass es so nicht weitergehen kann – dann lass uns reden. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.