Es gab eine Zeit, in der ich nicht wusste, wie ich ohne die Maske bin.

Die Maske der Kompetenz. Der Stärke. Der Frau, die alles im Griff hat. Fünf Jahre Führungsverantwortung in HR, zwanzig Jahre Berufserfahrung, immer ansprechbar, immer liefernd, immer professionell. Ich hatte die Maske so lange getragen, dass ich vergessen hatte, dass sie eine war.

Erst als ich sie – unfreiwillig, in einer Krise – ablegen musste, merkte ich: Darunter war ich noch da. Erschöpft, verunsichert, ein bisschen verloren. Aber da.

Woher kommt diese Maske?

Stark sein zu müssen ist für viele Frauen in Führung keine bewusste Entscheidung. Es ist eine Anpassung – an Erwartungen, an Systeme, an Erfahrungen, die gezeigt haben: Schwäche kostet.

Wer als Frau in einer Führungsposition Unsicherheit zeigt, riskiert, nicht ernst genommen zu werden. Wer weint, wird emotional genannt. Wer um Hilfe bittet, gilt als überfordert. Also lernen wir, diese Seiten zu verbergen. Wir werden gut darin. Irgendwann so gut, dass wir selbst vergessen, dass da noch andere Seiten von uns existieren.

Die Maske schützt. Das ist wichtig zu verstehen. Sie war sinnvoll. Sie hat funktioniert.

Aber Schutz hat seinen Preis.

Was die Maske kostet

Wer dauerhaft eine Version von sich zeigt, die nicht vollständig ist, erschöpft sich doppelt.

Einmal durch die eigentliche Arbeit. Und ein zweites Mal durch die permanente Energie, die es kostet, die echte Reaktion zu unterdrücken – den Moment des Zweifels, der Überforderung, der Traurigkeit – und stattdessen die Fassung zu zeigen.

Das nennt sich emotionale Arbeit. Und sie ist real, auch wenn sie unsichtbar ist.

Langfristig kann das dazu führen, dass wir uns selbst nicht mehr spüren. Dass wir zwar wissen, was wir leisten – aber nicht mehr, wer wir sind. Dass die Maske und das Gesicht dahinter ununterscheidbar geworden sind.

Was Verletzlichkeit wirklich ist

Verletzlichkeit wird oft mit Schwäche verwechselt. Das ist ein Missverständnis.

Verletzlichkeit bedeutet nicht, unkontrolliert zu weinen oder alle eigenen Unsicherheiten in Meetings zu teilen. Verletzlichkeit bedeutet, ehrlich zu sein – mit sich selbst und, da wo es sicher ist, auch mit anderen.

Es bedeutet, sagen zu können: „Ich weiß gerade nicht weiter." „Das war schwieriger als erwartet." „Ich brauche Unterstützung."

Und dann die Erfahrung zu machen: Die Welt bricht nicht zusammen. Im Gegenteil – echte Verbindung entsteht oft erst in diesen Momenten.

Brené Brown hat das jahrelang erforscht: Verletzlichkeit ist nicht der Gegenpol von Stärke. Sie ist die Grundlage echter Stärke.

Die Maske ablegen – wie das geht

Es geht nicht darum, die Maske in einem dramatischen Moment zu zerreißen. Es geht um kleine Schritte der Ehrlichkeit.

Mit dir selbst anfangen: Was spüre ich wirklich gerade? Nicht was ich denke, dass ich spüren sollte – sondern was tatsächlich da ist?

Sichere Räume finden: Mit wem kann ich ich sein? Wo darf ich auch die schwierigen Seiten zeigen – ohne Konsequenzen zu fürchten?

Den Körper einbeziehen: Oft weiß der Körper schon lange, was der Kopf noch nicht zugeben will. Wohin zieht sich Anspannung zurück? Was entspannt sich, wenn du ehrlich bist?

Und manchmal: professionelle Begleitung suchen. Nicht weil etwas falsch ist – sondern weil das Ablegen einer Maske, die man jahrelang getragen hat, Mut braucht. Und Unterstützung.

Was danach kommt

Ich werde nicht romantisieren, was nach dem Ablegen der Maske kommt. Es ist nicht immer leicht. Manchmal ist es unbequem, sich selbst so zu begegnen.

Aber es ist echter. Und mit der Zeit auch leichter.

Was ich bei meinen Klientinnen immer wieder erlebe – und was ich selbst erlebt habe: Wenn die Maske weg ist, wird Energie frei. Energie, die jahrelang dafür gebraucht wurde, das Bild aufrechtzuerhalten. Energie, die jetzt für das zur Verfügung steht, was wirklich wichtig ist.

Das ist keine Schwäche. Das ist Heimkommen.

Wenn du das Gefühl hast, dass du dich selbst schon lange nicht mehr hinter der Maske gespürt hast – dann ist das vielleicht die Einladung, es zu versuchen. Einen kleinen Schritt. Einen sicheren Raum. Ein echtes Gespräch.

Ich bin da, wenn du bereit bist.

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