Warum ich meine Klientinnen lieber
in die Natur als ins Büro schicke
Von Katja Kaiser
Ich habe ein Coaching-Büro. Bequeme Sessel, ein ruhiger Raum, ein guter Ort für Gespräche. Und ich nutze ihn gerne – für manche Klientinnen, manche Themen, manche Phasen.
Aber wenn ich wählen darf? Dann gehen wir raus.
In den Wald bei Stuttgart. Auf einen Feldweg. An einen See. Manchmal einfach in den Park um die Ecke. Nicht weil das Büro nicht gut wäre – sondern weil ich in der Natur etwas erlebe, das kein Raum mit vier Wänden replizieren kann.
Was beim Gehen passiert, das im Sitzen nicht passiert
Bewegung verändert Denken. Das ist keine Metapher – das ist Neurobiologie.
Wenn wir gehen, aktivieren wir beide Gehirnhälften gleichzeitig. Das rhythmische Wechseln von links und rechts – beim Gehen, beim Schwingen der Arme – fördert die Integration von Gedanken und Emotionen. Dasselbe Prinzip nutzt die EMDR-Therapie, eine der wirksamsten Methoden bei Trauma.
Außerdem: Im Sitzen – erst recht im Bürostuhl, mit dem Laptop vor der Nase – sind wir im Kopf. Beim Gehen kommen wir zurück in den Körper. Und vieles, was im Kopf feststeckt, löst sich, sobald der Körper wieder dabei ist.
Was die Natur mit dem Nervensystem macht
Es gibt eine wachsende Forschung rund um das Konzept des „Shinrin-yoku" – auf Deutsch: Waldbaden. Die Ergebnisse sind eindeutig: Zeit in der Natur senkt Cortisol, reduziert Herzfrequenz und Blutdruck, aktiviert das parasympathische Nervensystem.
Mit anderen Worten: Die Natur tut genau das, was viele meiner Klientinnen dringend brauchen. Sie hilft dem Nervensystem, aus dem Dauerstress-Modus herauszukommen.
Und das ist kein netter Bonus. Das ist die Voraussetzung für echtes Nachdenken, für Klarheit, für Veränderung.
Ein Nervensystem im Alarmzustand kann nicht gut reflektieren. Es ist mit Überleben beschäftigt. Erst wenn es sich sicher fühlt, öffnet sich der Raum für tiefere Fragen.
Der Unterschied in der Praxis
Ich erlebe es immer wieder: Klientinnen, die in den ersten Minuten noch angespannt sind, noch im Arbeitsmodus, noch mit den Gedanken halb im nächsten Meeting. Und dann – nach zehn, fünfzehn Minuten Gehen – ein Aufatmen. Eine andere Qualität im Gespräch. Sätze, die plötzlich kommen, die vorher nicht kamen.
„Das hab ich mir noch nie so gesagt." Das höre ich häufig draußen. Selten in einem Büro.
Es gibt etwas in der Natur, das uns erlaubt, ehrlicher zu sein. Vielleicht weil wir nicht einander gegenübersitzen und uns anschauen. Vielleicht weil die Weite des Raumes auch eine innere Weite schafft. Vielleicht weil der Wald schlicht keine Erwartungen an uns hat.
Für wen Outdoor-Coaching besonders passt
Nicht für jeden Menschen ist Outdoor-Coaching der erste Instinkt. Wer gewohnt ist, Coaching mit einem Bürosetting zu verbinden, braucht manchmal einen Moment, um sich darauf einzulassen.
Aber ich erlebe, dass es besonders gut passt für Frauen, die:
- das Gefühl haben, sich selbst verloren zu haben
- im Kopf feststecken und keinen klaren Gedanken mehr fassen können
- sich nach Ruhe und Klarheit sehnen, ohne zu wissen wie
- Natur ohnehin als Kraftquelle erleben
- im klassischen Coaching-Rahmen schwer loslassen können
Und wenn das Wetter nicht mitspielt?
Dann gehen wir trotzdem – nur mit Jacke. Im Ernst: Ich habe wunderbare Gespräche im Regen geführt. Es gibt etwas Befreiendes daran, auch das nicht mehr kontrollieren zu müssen.
Aber natürlich arbeite ich auch online und in anderen Formaten. Outdoor-Coaching ist ein Angebot – keine Bedingung.
Ein Einladung
Wenn du neugierig bist, wie sich Coaching in der Natur anfühlt – komm mit auf einen Spaziergang. Das Erstgespräch können wir gerne auch schon draußen führen.
Ich bin in der Region Stuttgart/Ludwigsburg – und die Natur wartet.